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„Ein Kopf, zwei Herzen, vier Beine“
Tango: Tanzabend im Kulturcafé an jedem vierten Freitag des Monats – „Fieber ist in Deutschland neu entfacht“

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GROSS-GERAU. In die argentinische Hauptstadt Buenos Aires, der Geburtsstätte des Tangos, konnte sich versetzt fühlen, wer am Freitagabend den Saal des Kulturcafés betrat. Der wetterbedingt schwülheißen Atmosphäre entsprachen die eher ernst und hingebungsvoll blickenden Paare, die sich gemächlich im Kreis bewegten. Unterstrichen wurde die Stimmung von den sanften Schleifbewegungen der hochhackigen Damenschuhe, welche die charakteristische Figur einer imaginären Acht auf den Boden zeichneten.

Seit über zwei Jahren veranstalten Visnja und Sascha Weinberger aus Weiterstadt an jedem vierten Freitag eines Monats einen Tango-Argentino-Abend und ziehen damit Tangobegeisterte weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus an. Bis tief in die Nacht erfreuten sich über 60 Personen am Freiraum der abgebauten Bühne im Saal des Kulturzentrums und dem aufgefrischten Parkett.

Für Außenstehende wirkte das Ambiente der elegant sommerlich gekleideten Gesellschaft wie das einer großen Familie. Man kennt sich, trifft sich regelmäßig, neue Gesichter kommen dazu, unzählige Infomaterialien über Tanzabende und Tanzkurse liegen im Eingangsbereich aus.

Für die musikalische Untermalung sorgten an diesem Abend nicht die Gastgeber, sondern Tango-Discjockey Harry Wohlfart aus Oberursel, dessen Musikauswahl die Liebhaber des klassischen Tangos aus dem sogenannten goldenen Zeitalter des Tangos (1935 bis 45) bediente.

Viele der Teilnehmenden sind im Darmstädter Verein „Tango!nitiative“ engagiert, der vom 26. bis 28. September zum zweiten Mal die Darmstädter Tango-Tage – unter anderem in der Centralstation – veranstaltet. Laut dessen erster Vorsitzenden Eva Ritter ist das Tango-Fieber in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren neu entfacht worden. Heutzutage könne man der Leidenschaft Tango im Rhein-Main-Gebiet an jedem Abend in der Woche frönen.

Besonders die Dreißig- bis Fünfundfünfzigjährigen mit auffallend hohem Akademikeranteil suchten im Tango sowohl die sportliche Betätigung als auch die Herausforderung des Spiels um Nähe und Distanz, der wortlosen Kommunikation zwischen Mann und Frau. Ganz Frau sein könne man auch durch die sehr feminine Kleidung, die Schuhe mit hohen Absätzen und den die Hitze ein wenig lindernden Fächer.

Entgegen der landläufigen Meinung, Tango sei schwer erlernbar, argumentiert der ebenfalls in der Initiative aktive DJ Torsten: Tango eigne sich als sehr guter Einstieg in den Tanz. Im Gegensatz zu den Standardtänzen müsse der Mann die Frau eindeutig führen, da die genaue Schrittabfolge nicht vorhersehbar sei. Während die Frau durchaus die Augen beim Tanzen schließen könne, müsse der Mann dafür sorgen, dass es zu keinen Zusammenstößen komme.

Die Tanzpaare lehnen mit Oberkörper und Kopf aneinander, scheinen zu verschmelzen und zeigen derart kunstvolle Schrittfolgen, dass bereits das bloße Zuschauen Vergnügen bereitet. Für Anfänger sind die Tanzabende im Saal des Kulturcafés denn auch nicht geeignet.

Visnja und Sascha Weinberger empfehlen Interessierten daher „ein bisschen Tanzerfahrung“. Wer sich dem südamerikanischen Tanz mit europäischen Wurzeln erst einmal genähert hat, kann daran lange Freude haben. Der Tango „mit einem Kopf, zwei Herzen und vier Beinen“ sei bis ins hohe Alter tanzbar, betonen die Weinbergers.

Was das bedeutet, mag jeder für sich herausfinden und sich nicht einschüchtern lassen. Für einen Tanzkurs muss man sicherlich nicht nach Argentinien an den Rio de la Plata pilgern.

Tango-Tanzabende wie die im Kulturcafé tragen die Bezeichnung „Milonga“ – ebenso wie der Vorläufer des Tangos. In diesem Tanz finden sich viele volkstümliche musikalische Stilelemente, die europäische Einwanderer nach Argentinien brachten. Die Entstehung des Tangos ist eng an die Geschichte der europäischen und afrikanischen Einwanderer um die Wende zum 20. Jahrhundert verknüpft. In Gruppen von drei bis vier Stücken eines Musikstils, den sogenannten Tandas, werden Tango, Vals (Walzer) und Milonga gespielt und von einer Cortina, einer musikalisch untermalten Pause, unterbrochen. Der Tango Argentino unterscheidet sich vom europäischen beziehungsweise Standardtango durch mehr Körpernähe und fließendere Bewegungen. Kontakt: Visnja und Sascha Weinberger, www.visawe.gmxhome.de, Telefon 0163 6200099 oder www.tangoinitiative.de; die nächste Milonga in Kulturcafé findet am 22. August ab 21 Uhr statt, der Eintritt ist frei.

Estefania Cuadrado Luque
29.7.2008

 



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Vom Tango bis zum Chor mit Trommlern
Kulturcafé: Gruppen, die sich im ehemaligen Amtsgericht treffen, präsentieren ihre Beiträge für das kulturelle Leben

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GROSS-GERAU. „Kultur von Bürgern für Bürger“, so der Leitspruch des Kulturcafé-Vereins, muss sich nicht immer auf dem Niveau von in der Freizeit betriebenen Hobbys bewegen. Dass eine mit Begeisterung betriebene Neigung zur Unterhaltung eines ganzen Saals reicht, bewiesen am Samstagabend nicht nur die Tänzer Sascha und Visnja Weinberger mit ihrer atemberaubend sinnlichen Tanzdarbietung des Tango Argentino, die den Höhepunkt des Abends bildete.

Die als „Kulturkarussell“ angekündigte Veranstaltung bot den im Kulturcafé regelmäßig probenden und auftretenden Gruppen die Gelegenheit, sich und ihren Beitrag zum kulturellen Leben in Groß-Gerau zu präsentieren.

Bürgermeister Stefan Sauer unterstrich in seinen einleitenden Worten den vielschichtigen und fließenden Charakter von Kultur, die unter dem Trägerverein ein lebendiges Beispiel für die oft zitierte „vernetzte Arbeit“ sei.

Die Organisation der ersten Veranstaltung dieser Art erforderte, so der Geschäftsführer des Kulturcafé-Vereins, Walter Seeger, „wesentlich mehr Aufwand als die üblichen Wochenendtermine mit oft externen Gästen“.

Den kulturell Tätigen eine Infrastruktur zu bieten, bei der sie möglichst „unbürokratisch“ einen warmen, gut ausgeleuchteten Saal inklusive Versicherungsschutz nutzen können, hat sich der seit 1985 agierende Verein auf die Fahnen geschrieben. Zwar kam zu den an diesem Abend 60 Aktiven lediglich jeweils ein zusätzlicher Gast, doch hätten ansonsten die Platzkapazitäten des Saals und des Vortragssaals den insgesamt 120 Zuschauern nicht die Möglichkeit des Pendelns gegeben. Die jeweils etwa zehnminütigen Kostproben der verschiedenen Gruppen waren im Wechsel in den beiden größten Räumen des ehemaligen Amtgerichts anzuschauen, so dass sich nach jeder Aufführung das Publikum in Bewegung setzte, was die Atmosphäre sichtlich auflockerte.

Die am längsten existierende Gruppe, der „Kulturcafé-Chor“, pflegt kein klassisches Repertoire, sondern gab afrikanische Kostproben seiner Zusammenarbeit mit der jüngsten Gruppe, den „African Fire Drummers“ zum Besten, die wiederum das alte Amtsgericht mit ihren Trommeln zum Vibrieren brachten.

Die meisten Zuschauer kamen an diesem Abend, weil sie eine bestimmte Gruppe sehen wollten, von der sie gehört hatten oder zu deren Mitgliedern sie in persönlichen Kontakt stehen. Das Konzept des Abends aber, so war von mehreren Besuchern zu hören, wurde als stimmig bezeichnet und „animiere zum Besuch der Veranstaltungen der einzelnen Gruppen“. Die „Mischung der Darbietungen“ und „was man aus solch einem Saal alles machen könne“ fand etwa Tatjana Zeiss (31) aus Griesheim sehr gut.

Gegen den Jugendwahn setzten die Tänzerinnen von Suleikas Orientalischer Tanzgruppe „El Suhur 50 Plus“ ein Zeichen mit ihren Hüftschwüngen. Für die leisen Töne war die „dramatischkleinebühne“ mit ihren Szenen aus Georg Büchners „Woyzeck“ zuständig, dessen naturalistischer Blick auf die Sorgen und Nöte der „Kleinen Leute“ im 19. Jahrhundert den Vertretern des politischen Stammtisches des DGB-Ortsverbandes den Anknüpfungspunkt zur Vorstellung ihres Wirkens im Groß-Gerau der Gegenwart lieferte. Lediglich die „Clowninnen“ und die attac-Gruppe ließen sich wegen Krankheit und anderer Verpflichtungen entschuldigen.

Auf die sich anschließende Abschlussparty mit Salsamusik, bei der jeder ausprobieren konnte, dass Mitmachen ungleich schwerer ist als Zuschauen, hatte sich beispielsweise Verena Görtler (23) aus Groß-Gerau besonders gefreut, die den ganzen Abend als gelungen bezeichnete.

Aufführungstermine und Kontaktmöglichkeiten sind zu finden unter www.kulturcafe-gg.de.

ecl
8.10.2007